Ich habe nie begriffen, dass meine schon volljährigen Freunde sich an ihrem "großen Tag" nicht anders fühlten. Das sie sich nicht größer, stärker, überlegener fühlten als die 17 Jahre zuvor.
Jetzt weiß ich, wie das ist. Das mit dem Erwachsenwerden ist wohl eine Sache, die ganz langsam auf einen herunterkommt. Nieselregen, quasi. Und doch hätte ich ein Gewitter erwartet, dass einen wegreißt, wegspült, aber das traf nicht ein. Stattdessen wurde man von einer Umarmung in die nächste getragen, wie beim Crowd-Surfing und fühlte sich fester in sein Leben und die Gesellschaft eingebunden,als je zuvor. Geburtstage sind Tage, an denen man spürt, dass man angekommen ist. Angekommen in einem Leben, das man vermeintlich zu suchen dachte: Ein Leben in dem man geliebt, geschätzt und wahrgenommen wird. So nieselten Glückwünsche, schiefe Geburtstagsständchen, ein "Laura ist heute unser Captain" meines Jungssportkurses, viele "Naaa, wie fühlt man sich?"-Ansprachen und Karten im Briefkasten ein. Am Geburtstag merkt man erstmal, wie sehr sich die Leute für einen bemühen. Ich muss sagen,dass das in mir Unbehagen auslöst. Ich mag es nicht, wenn sich Leute so für mich anstrengen, mir alles Recht machen wollen. Ich bin ein Mensch, der lieber selbst für sein Glück sorgt, als dass er es Andere machen lässt. So fiel es mir schwer diesen Gedanken über den Tag zur Seite zu schieben. Ist es nicht verrückt, dass man das Bedürfnis hat, dass sich andere wahnsinnig freuen, auch, wenn man dafür selbst durch die Scheiße gehen muss? Das nenne ich sozial, und das, obwohl man doch sagt wir leben in einer Ellenbogengesellschaft. Am Geburtstag wird das wohl ausgehebelt, vielleicht fühlt man sich deswegen wie im falschen Film.
Nun sind 24h vergangen. Und ich hatte immer noch keine Zeit um das Erlebte alles sacken zu lassen, weil immer noch Karten und Päckchen eintrudeln, weil die letzten Leute einem nachträglich gratulieren und weil man dabei ist zu überlegen, wo man denn die neuen Sachen nun hinstellt, die man geschenkt bekam. Das ist mir alles viel zu viel und ihr glaub gar nicht wie k.o. ich bin.
In 'ner Woche kann man mich nochmal fragen, wie ich denn meinen Geburtstag empfand.
Wenn man mich jetzt fragt, würde ich wohl antworten: "Ich habe mich noch nie so wohl und so unwohl zu gleich gefühlt. Mein Herz ging auf bei all den netten Gesten, bei all den liebevollen Blicken und den aufbauenden Worten. Und auch, wenn alle sagen "Jetzt kannst du Auto fahren, jetzt kannst du jeglichen Alkohol kaufen, jetzt kannst du überall bis nach null Uhr bleiben", bleibt bei mir doch ein fahler Beigeschmack: Du kannst nie wieder zurück, der Abschnitt "Kindheit" ist vorbei. Nie mehr kannst du dich hinter deinem Unwissen, den verkackten Situationen, den blöden Wegen,die du einschlägst hinter einem "Ich bin doch noch ein Kind" verstecken. Nie mehr."
Jahrelang habe ich mich Level für Level durchgekämpft, hab einige Leben verloren, habe Geheimlevel und Items entdeckt, neue Wege freigeschalten und High-Scores geknackt.
Und nun kommt der Endboss: Das Peter-Pan-Syndrom.
Erst einmal natürlich nachträglich herzlichen Glückwunsch zum 18. Geburtstag, liebe Laura. Einen sehr schönen Text hast Du da verfasst. Ich denke ja auch, dass man dem 18. Geburtstag im Vorfeld viel zu viel Bedeutung zumisst. Im Nachhinein gesehen waren die Einzigen wirklichen Veränderungen die Dinge, die Du auch schon aufgezählt hast: man darf Autofahren (wirklich das geilste am 18 werden), man darf so lange feiern gehen wie man will (wird aber schnell langweilig), und man darf jeglichen Alkohol kaufen (was aber doch vorher auch schon nicht so das Problem war :) ). Aber weißt Du welcher Tag im Leben viel krasser ist? Der Auszug aus Hotel Mama und die erste Nacht in den eigenen vier Wänden. Zumindest habe ich das so empfunden, weil man ab dann sein Leben alleine auf die Kette kriegen muss und man tatsächlich die ganze Verantwortung dafür trägt. Ich denke, ab diesem Moment wird man wirklich erwachsen.
AntwortenLöschenWas ich nicht so ganz nachvollziehen kann ist, dass es bei Dir Unbehagen verursacht, wenn andere sich für Dich bemühen. Ich habe es zumindest noch nie als Mühe empfunden, wenn ich jemandem den ich mag eine Freude gemacht habe, sei es nun zum Geburtstag oder zu einer anderen Gelegenheit. Ich würde so etwas nie als Mühe empfinden, mir macht es einfach Spaß geliebten Menschen eine Freude zu bereiten und dabei spielt der Aufwand auch keine Rolle.
Ach Lauri, die Kindheit ist keineswegs vorbei. Ich werd jetzt bald 20 und fühl mich nicht wirklich erwachsen. Das sind doch nur Zahlen, die haben doch nichts zu bedeuten :)
AntwortenLöschenUnd jetzt geh in den nächststen Zeitschriftenladen, spiel Lotto, kauf dir was hochprozentiges und trink auf deine immer währende Jugend ! ♥