Ich gebe es zu: Ich gehöre zu den Menschen, die ihre Wäsche noch mit Wäscheklammern aufhängen. Ich bin diejenige, die ihre Wäsche nur dann wäscht, wenn sie weiß, dass sie immer noch da ist, wenn die Waschmaschine fertig ist, nur um die Wäsche sofort aus der Trommel zu holen und aufzuhängen. (was bei unserer Waschmaschine bedeutet, dass man selbst beim kurzen (!) Waschgang eine geschlagene Stunde und fünfunvierzig Minuten warten muss). Ich benutze Weichspüler, nicht zu viel, das schadet dem Gewebe nur, aber ich mag weiche und gut riechende Wäsche. Bettwäsche wird monatlich bei 60°C gewaschen. Die Decken und Kissen alle drei Monate bei 90°C. Das Waschpulver wird mit der Dosierhilfe genau passend entnommen. Die bedruckten Shirts werden falschrum gewaschen, die Hosentaschen noch auf Taschentücher kontrolliert und natürlich wird die Wäsche getrennt. Beim Aufhängen werden die passenden Socken gleich richtig rum und nebeneinander aufgehangen.
Mein Freund sagt, ich wäre "typisch deutsch", meine Freunde sagen ich wäre ein kleiner Spießer, meine Mama sagt "du bist 'ne gute Hausfrau!". Ich sage: Ich bin praktisch veranlagt. Wer Wäsche ordentlich aufhängt, hat später weniger zu bügeln. Der Rest ist Geschmackssache. Ich mag Flecken nicht und ich mag gute Gerüche. Mehr ist es nicht. Ich würde nicht sagen, dass ich peinlich genau bin, aber ich gehe mit niemandem so hart ins Gericht wie mit mir selbst. Meine eigenen Ansprüche sind hoch. Ich bin nicht wirklich spontan, ich plane lieber. Ich suche nach dem Optimum und wenn ich es gefunden habe, dann bleibe ich dabei. Ein echtes Gewohnheitstier. Wenn ich so drüber nachdenke, verlasse ich selten meine Komfortzone. Ich mache viele Dinge lieber alleine, damit ich nicht mit den Handlungsweisen der anderen konfrontiert werde. Selbst wenn ich mal spontan sein sollte, dann bin ich das auf meine eigene Weise und auch nur bis zu einem gewissen Grad.
Damit werde ich weder dem Bild "normaler" junger Leute, noch dem eines Studenten gerecht. Es ist unheimlich cool wenn man spontan, lässig, unbedacht und leichtfüßig ist. Niemand verschwendet seine Zeit daran, die Wäsche nach Farben zu sortieren, wenn man genauso gut auch im Park hängen könnte, mit einem Joint in der Hand und dem Wein aus dem Tetrapack vom Rewe. Verständlich, Wäsche zu sortieren ist auch keines meiner Hobbies, gebe ich zu. Doch Weitsicht zahlt sich aus: Ich möchte nicht diejenige sein, die alle Nase lang ein neues weißes T-Shirt kaufen muss, nur weil ich mein rotes Shirt mit in die Wäsche tu. Die Zeit und das Geld spare ich mir gern. In der Zeit liege ich lieber im Park und lese Texte für die Uni. Klar ist das wieder Arbeit, aber es muss getan werden und im Park liegen versüßt das Ganze ja auch. Ich bin gerne straight in dem, was ich tu. Weil ich weiß, dass ich sonst viel öfter auf die Fresse fallen würde. Würde ich mir keine To-Do-Listen schreiben, ständig meinen Tagesplan vor mir wie ein Mantra auf und ab sagen, dann würde mir viel Unheil widerfahren, denn eigentlich bin ich verplant, unkonzentriert und schluderig. Doch ich kämpfe dagegen an, weil ich die Dinge regeln will, weil ich Kontrolle haben möchte über das, was passiert. Und wenn das bedeutet, dass ich Parties sausen lasse, dann mache ich das widerwillig, aber ich machs. Ich bin der Typ Mensch, der die Dinge lieber gleich richtig macht, als sie zwei mal so halb zu tun. Man kann es verkrampft nennen, oder kleinlich, ja, meinetwegen auch spießig. Aber wenn spießig bedeutet, dass ich mein Leben auf die Kette kriege, meine Wäsche nicht muffelig riecht und nicht knittrig ist, dann bin ich gerne spießig!
Dann trage ich mit Stolz meine Tennissocken, die Birkenstocksandalen und die olivgrüne Cargoshorts. Dann steh ich da, mit ausgestrecktem Arm, die Bauchtasche fest umklammert und mit einem Gewinnerlächeln auf den Lippen!
Ich wasche meine Wäsche g e n a u s o - dachte bis jetzt das wäre normal?
AntwortenLöschenNaja, gehöre wohl auch zu den Spießern.