First world problems am Samstagabend.

Hängematte, "1998" von Chet Faker, der laufende Geschirrspüler, gedimmtes Licht und Ich. Wortwörtliches Abhängen in der Küche und das sogar mal allein.
Und dann steht man wieder vor dem übrig bleibenden Problem des Tages: die samstägliche Ausgehpflicht. Ich denke viel über Studentenklischees nach, fühl mich selbst noch gar nicht so richtig studentisch, bzw. mache ich vielleicht sogar studentische Dinge, aber irgendwie kommt es für mich noch nicht so selbstverständlich daher. Jedenfalls verlangt das Klischeestudentenleben viel von einem ab: Wg-Gespräche über Politik, Kapitalismuskritik, ungleiche Socken an den Füßen, die obligatorische Mate im Jutebeutel, WG-Parties, NEON lesen, die ewig andauernde Suche nach Tabak, Filtern und Papers, das ökologische Gewissen der neuen Hipsterstudenten, die statt Fertigpizza mit Cola lieber Lachs-Carpaccio mit einem guten - trockenen! - Rotwein verzehren. Und eben auch die Frage, was man Samstagabend so treibt. Ich hab hier mittlerweile gelernt, das dabei eine Sache verboten ist: zu Hause bleiben und nichts tun. Samstagabend muss immer ausgegangen, oder wenigstens eine Zusammenkunft in der Küche zum Wein trinken und Klischeegesprächsthemen austauschen veranstaltet werden. Ich find das irgendwo auch richtig, die ganze Woche über ist man mit Unikram beschäftigt, da braucht man auch mal Zeit, um so richtig abzuschalten und sich gehen zu lassen. Am besten stralledicht auf einer WG-Party, auf die man auch nur durch Freundesfreunde gekommen ist. Versteht mich nicht falsch, ich schwimme gern mit dem Strom mit, genieße solche Abende auch, aber ich mags auch wirklich gerne nach Hause zu kommen, baden zu gehen, sich frisch gebadet ins bett zu lümmeln und bestenfalls noch eine DVD zu schauen und dann einfach früh einzupennen oder zumindest dem im-Bett-liegen zu frönen. Doch ich fühle mich schlecht, wenn ich 22 Uhr ins Bett gehe. "Schlafen kann man auch, wenn man tot ist!" und das Bett rennt einem ja auch nicht weg, die coolen, hippen, freshen und knorke Parties schon. Man darf ja auch nichts verpassen. Aber man will auch einfach mal seine Ruhe, die Wärme des Bettes und vielleicht auch noch eine dumme, amerikanische Teeniekomödie. Wieso lerne ich nichts daraus und stehe jedes Wochenende aufs Neue vor dem Problem? Wieso gibt es dort anscheinend kein wahr und falsch? Kann nicht irgendwer meinen Tag planen und entscheiden, was ich abends tu?
Und die Frage aller Fragen: Was mach ich denn nun heute?!

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1 Kommentar:

  1. ok, ich musste bei einigen stellen dolle auflachen - glaube, du hast das studentenleben perfekt zusammen gefasst :D aber ganz ehrlich: ist die frage nach dem ''was mach ich heute?'' nicht bereits ein bisschen zu viel? ist es denn nicht einfach ein gefühl, was uns dazu verleiten sollte, etwas zu tun - oder eben nicht zu tun? wenn du dich nach ausruhen fühlst, dann ruh dich aus. wenn du kurz vorm einschlafen noch merkst ''oh, ich wär grad voll gern auf ner party'', pack deine sachen und los geht's. vielleicht klingt das ein bisschen banal, aber ich glaube man macht sich oft vieles schwerer, als es tatsächlich ist. du schreibst du schwimmst gerne mit dem strom mit, kann ich verstehen, aber ist es nicht der strom, der diese 'first-world-problems' erst auferlegt?
    was würdest du denn machen, wenn es die menschen um dich herum nicht gebe, ich meine, wenn du wüsstest: sie beurteilen mich nicht, egal was ich mache - was würdest du dann machen? und vielleicht ist die antwort aus dieser perspektive dann wirklich die antwort auf deine eigentlich frage: was mach ich denn nun heute?
    ich hoffe das wirrwarr da oben ist ein bisschen nachvollziehbar♥

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